Aufmerksamkeitsdefizit
Hyperaktivitätssyndrom bei Kindern

Vom Zappelphilipp zu ADHS

Aufmerksamkeit - das ist das vorrangige Problem dieser Kinder. Oft werden in diesem Zusammenhang Figuren aus dem ‘Struwwelpeter’ von dem Neurologen Dr. Heinrich Hoffmann genannt.

Die namensgebende Hyperaktivität, die gesteigerte motorische Unruhe gehört nicht in jedem Falle zum Krankheitsbild. Doch gibt es sie natürlich auch und sie fallen schneller ins Auge.
Jene Kinder, bei denen zum Aufmerksamkeitsproblem noch die Hyperaktivität hinzu-
kommt, haben häufig als Folgeproblematik eine Störung des Sozialverhaltens. Sie
bleiben häufig ausgeschlossen, werden Schulversager und entwickeln ein schlechtes
Selbstvertrauen. ADHS-Kinder ohne Hyperaktivität werden häufig übersehen, weil sie
sich nicht so auffällig verhalten.
ADHS ohne Hyperaktivität ist häufiger bei Mädchen zu finden als so genannte
„Traumsusen“, mit Hyperaktivität häufiger bei Jungen. Insgesamt sind ca. 15% der
Kinder betroffen.

Ursachen von ADHS

Eindeutige Erklärungen gibt es bis heute nicht. Es wird vermutet, dass die Ursachen
genetisch bedingt sind, im sozialen Umfeld liegen oder Folge von Frühgeburten,
schweren Geburten, Zustand nach Hirnblutung, Unfälle, Alkohol und Tabak während der
Schwangerschaft, Fehlbildungen, Chromosomenstörungen oder geistige Behinder-
ungen sind. Dadurch kommt es zu Veränderungen des Dopaminstoffwechsels im
Gehirn. Häufig tritt ADHS in Verbindung mit Allergien und Verdauungsstörungen auf.

Woran erkennt man ADHS?

Babys und Kleinkinder: Unruhig mit reduzierter Schlafdauer, oft Schrei- und Speikinder.
Das Kind windet und dreht sich beim Windeln wechseln. Hohe Erkundungsfreude bei
geringem Gefahrenbewusstsein.
Kindergarten- und Vorschulkinder: Schwer in Gruppen integrierbar mit geringer
Frustrationstoleranz. Können schwer bei einer Sache bleiben, lassen sich leicht
ablenken. Stehen gern im Mittelpunkt.
Schulalter: Fallen häufig als Störenfriede oder Klassenkasper auf, necken Mitschüler.
Sie haben keine Disziplin rufen sofort in die Klasse was ihnen durch den Kopf geht.
Können sich nur für kurze Zeit konzentrieren, verfallen dann in Tagträume gucken
Löcher in die Luft, kritzeln im Heft, werden zappelig oder kippeln mit dem Stuhl. Sie
lassen sich leicht ablenken und haben wenig Ausdauer.
Oft haben sie Schwierigkeiten die Hausaufgaben zu beginnen, die dann ewig dauern.
Schulschwierigkeiten treten trotz häufig überdurchschnittlicher Intelligenz auf z.B. in
Form von Lese- u. Rechtschreibschwäche. Ein großer Gerechtigkeitssinn & Impulsivität
ist oft ein Verstärker bei verbalen oder sogar handgreiflichen Auseinandersetzungen.
Jugendalter: Die motorische Unruhe lässt meist nach. Jugendliche sind ausgesprochen
stimmungslabil. Sie sind leicht beeinflussbar und stets auf der Suche nach Extremen.
Neigung zu risikoreichem Verhalten. Suchtgefahren können sie schlecht widerstehen.

Verzweifelte Eltern

Ständig quält die Eltern die Frage, was sie bei der Erziehung ihres Kindes falsch
machen. Die permanente Überforderung und Verzweiflung über die Situation ein Kind zu
haben, das von Außenstehenden kritisiert und offensichtlich abgelehnt wird, bringt
Eltern an den Rand ihrer Kraft.

Positive Eigenschaften des ADHS-Kindes

Fürsorglichkeit und Hilfsbereitschaft, Ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, Interessierte
Offenheit, Zupackendes Schaffen, Ausgeprägte Tier- und Naturliebe, Besonderer
Charme, Künstlerische und besondere Begabungen

Wie kann den Kindern geholfen werden?

Wichtig ist, dass den Kindern und Eltern von verschiedenen Seiten geholfen wird. Die
Eltern müssen gut über ADHS informiert sein, um leichter damit umgehen zu können.
Je nachdem, welche Schwächen das Kind hat werden versch. Therapien angeboten:
Legasthenietherapie bei Lese- und Rechtschreibschwäche, Dyskalkulietherapie bei
Rechenschwäche, Ergotherapie bei erschwerter Feinmotorik, Logopädie bei Sprach-
störungen, Antiaggressionstraining u.a.

Geeignete Hobbys sind:

Voltigieren fördert Körperkoordination, Schwimmen fördert Gefühl für Kraftdosierung und
den Gleichgewichtssinn, Chorsingen fördert soziale Kompetenz, Theater übt das warten
können, Asiatischer Kampfsport übt auch abwarten & soziale Kompetenz, Musik-
instrument schult Durchhaltevermögen uvm.
Häufig wird den Eltern von ärztlicher Seite empfohlen den Kindern das Medikament
Ritalin zu verabreichen. Es gibt jedoch immer mehr Eltern, die nach anderen
Möglichkeiten suchen. Anstelle zum drastisch in die Psyche des Kindes eingreifenden
Medikaments Ritalin, dessen Risiken, Nebenwirkungen und Langzeitfolgen zunehmend
kritisch hinterfragt werden, bietet sich hier die klassische homöopathische
Konstitutionsbehandlung an. Die homöopathische Konstitutionsbehandlung ist eine
weitreichend Therapiemöglichkeit und hat einen hohen Stellenwert bei der Behandlung
dieser Kinder.

ADHS und Homöopathie in der Praxis

Kommen Eltern mit betroffenen Kindern in die homöopathische Praxis haben sie oft
schon einen langen und schwierigen Weg hinter sich.
Die homöopathische Konstitutionsbehandlung ist eine sehr ganzheitliche und
individuelle Therapie. Hier wird nicht jedem Kind das unter ADHS leidet das gleiche
Mittel verabreicht, sondern genau auf seine Individualität eingegangen. Um das
passende Mittel zu finden wird wie bei allen anderen Erkrankungen eine exakte Fall-
aufnahme mit anschließender Auswertung durchgeführt.
Die Verhaltensweisen der Kinder können bei ADHS von Kind zu Kind sehr unterschied-
lich sein, weshalb auch unterschiedliche Mittelgaben für einen guten Erfolg erforderlich
sind. Bei dem einen Kindern steht neben der Unruhe im Vordergrund, dass sie sehr
furchtlos, tollkühn und leichtsinnig sind und sich deshalb ständig Gefahren aussetzen.
Auch körperliche Zuckungen können auftreten.
Bei einem weiteren Kind fällt auf dass es besonders gern Führerpositionen einnimmt,
alle Regeln bricht und Anweisungen weder hört noch befolgt. Alle sollen nach ihrer
Pfeife tanzen und sie schreien so lange bis ihre Wünsche erfüllt sind. Wieder ein
anderes Kind hat besonders in den Händen und Beinen eine große Unruhe, ist
unglaublich schnell und hinterlistig, zerschlägt etwas, bevor man es davon abhalten
kann. Musik regt zum Tanzen an.
Einige ADHS-Kinder sind boshaft und gereizt, neigen zu Wutausbrüchen, schlagen
gegen ihre Mitmenschen oder zerstören Eigentum und Pläne anderer absichtlich. Sie
haben einen hohen Widerspruchsgeist, sind sehr unzufrieden und verlangen ständig
nach Abwechslung. Jedes dieser Kinder braucht ein anderes Mittel,
genau seiner Persönlichkeit entsprechend. Es ist deshalb sehr
wichtig, genau auf das Kind einzugehen und seine typischen Zeichen
und Verhaltensweisen, zu erfassen und danach zu verschreiben.
Natürlich werden bei dieser ganzheitlichen Behandlung auch körperliche Beschwerden
für die Mittelwahl berücksichtigt.